Unterrichtsstörungen – Maßnahmen bei Disziplinproblemen und Techniken effektiver Klassenführung

25.02.2025 | Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

articleimage
© unguryanu – stock.adobe.com
Unterrichtsstörungen kommen in allen Schulklassen vor – von der Grundschule bis zur Oberstufe. Daher braucht es eine professionelle Klassenführung der Lehrkräfte. Sie sollten geeignete Maßnahmen kennen, um mit solchen Störungen umzugehen. Wir stellen praktische Beispiele und Methoden vor.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Was sind Unterrichtsstörungen? – Definition
  2. Welche Beispiele für Unterrichtsstörungen gibt es?
  3. Maßnahmen zum Umgang mit Unterrichtsstörungen
  4. Prävention: Mit Klassenführung Störungen vermeiden
  5. Beobachtungsbögen für Lehrkräfte

Was sind Unterrichtsstörungen? – Definition

Unterrichtsstörungen sind Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess unterbrechen oder gar unmöglich machen. Es werden Regeln gebrochen, die eine Lehrkraft für einen effektiven Unterrichtsverlauf voraussetzt und benötigt.

Eine Störung des Unterrichts wird meist vonseiten der Klasse verursacht. Sie kann aber auch durch die Lehrkräfte oder äußere Faktoren ausgelöst werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Lehrkraft unvorbereitet oder zu spät zum Unterricht kommt oder eine Durchsage über Lautsprecher im Schulgebäude stattfindet. 

Die Bewältigung von Unterrichtsstörungen und Disziplinproblemen in der Klasse gehört zu den Aufgaben der Lehrkräfte. Sie beweisen damit ihre Klassenführungskompetenz. Daher betrachten wir im Folgenden vorrangig mögliche Störungen durch Schülerinnen und Schüler.

Mögliche Gründe für Unterrichtsstörungen

Zu den häufigsten Ursachen für Störungen des Unterrichts seitens der Schulklasse gehören beispielsweise folgende Punkte: 

Gleichzeitig lassen sich verschiedene Arten von Unterrichtsstörungen unterscheiden.

Welche Arten von Unterrichtsstörungen gibt es?

In der Pädagogik gibt es verschiedene Modelle und Kriterien zur Unterscheidung von Unterrichtsstörungen. Wir stellen einige bekannte Arten vor:

Kriterium Arten von Unterrichtsstörungen
Kommunikationsform
  • Verbale Störungen
  • Nonverbale Störungen
Auslösende Partei
  • Unterrichtsstörungen durch Schülerinnen und Schüler
  • Störungen durch Lehrkräfte
  • Äußere Einflüsse
Schweregrad der Störung (nach Biller)
  • Bagatellstörungen
  • Indirekte und direkte Störungen
  • Unbehebbare Störungen
  • Unvermeidbare Störungen

Wie sich diese Störungsformen in der Praxis äußern, zeigen entsprechende Beispiele.

Welche Beispiele für Unterrichtsstörungen gibt es?

Damit Lehrkräfte Unterrichtsstörungen erkennen und einordnen können, gibt es im Folgenden eine Auflistung praktischer Beispiele von Unterrichtstörungen:

Art der Störungen Beispiele
Verbale Unterrichtsstörungen
  • Zwischenrufe
  • Unaufgefordertes Sprechen mit Anderen
  • Wutausbrüche
  • Kraftausdrücke
  • Bloßstellen von Klassenmitgliedern oder der Lehrkraft
  • Handy einschalten
  • Singen und Summen
Nonverbale Unterrichtsstörungen
  • Verzögerung des Unterrichtsbeginns
  • Hypermotorisches Verhalten am Sitzplatz 
  • Essen im Unterricht  
  • Ignorieren von Regeln 
  • Provokationen gegenüber anderen Klassenmitgliedern oder der Lehrkraft
  • Mobbing
  • Zuspätkommen/Schulabsentismus
Bagatellstörungen
  • Mangelnde Aufmerksamkeit
  • Übermut
  • Gegenseitiges Necken im Unterricht
  • Kurzzeitige Ablenkung
Indirekte Störungen
  • Fehlende Hausaufgaben
  • Fehlende Unterrichtsvorbereitung
Unbehebbare Störungen
Unvermeidbare Störungen
  • Kurzzeitige Unaufmerksamkeit einzelner Schülerinnen und Schüler
  • Gelegentliches Flüstern zwischen den Kindern oder Jugendlichen
  • Geräusche von außerhalb des Klassenzimmers (Verkehrslärm etc.)
  • Kurze Konzentrationsschwankungen, besonders gegen Ende längerer Unterrichtseinheiten

Es zeigt sich: Unterrichtsstörungen gehören zum Alltag jeder Schule. Treten sie gehäuft auf, kann es sinnvoll sein, den Unterricht genauer durch eine oder zwei Personen beobachten zu lassen.

Für solche Beobachtungen sollten die Verantwortlichen im Vorfeld genau klären, was als Störung anzusehen ist. So können sie im nächsten Schritt geeignete Maßnahmen festlegen.

Maßnahmen zum Umgang mit Unterrichtsstörungen

Die meisten Lehrkräfte entwickeln im Laufe der Dienstjahre einen persönlichen Maßnahmenkatalog für den Umgang mit Unterrichtsstörungen. Dennoch gibt es kein allgemeingültiges Patentrezept, das in jeder Klasse und auf jedes Kind angewendet werden kann.

Wir zeigen zwei mögliche Methoden für angemessene Reaktionen auf Unterrichtsstörungen und Konfliktsituationen: 

Maßnahme 1: Ruhezone 

  • Ruhezone im Klassenzimmer einrichten: Das kann ein alter Sessel oder ein kleines Sofa sein, das mit Pflanzen, Bildern oder auch einem Smartphone mit Kopfhörern ergänzt werden kann. Wichtig ist, dass die betroffenen Schülerinnen und Schüler einen Ort erhalten, an dem sie sich kurzfristig beruhigen und erholen können. 
  • Eine Uhr hilft, die Dauer des Aufenthalts in der Ruheecke zu kontrollieren. 
  • Regeln für den Besuch in der Entspannungsecke aufstellen. So kann die Lehrkraft die Aufenthaltsdauer bestimmen und sicherstellen, dass immer nur eine Person eine Auszeit erhält. Außerdem sollte klar sein, dass der Aufenthalt dort leise und ohne großes Aufsehen erfolgen muss. 
  • In der Ruhezone Selbstbeobachtungsbögen für die Schülerinnen und Schülern bereitlegen.
  • Anzahl der Ruhezeiten pro Schultag und Kind festlegen. 

Mit dieser Methode kann nicht nur die störende Person aus der Konfliktsituation entfernt werden. Sie dient auch dazu, dass die betroffenen Schülerinnen und Schüler ihr Verhalten reflektieren und künftigen Unterrichtsstörungen vorbeugen.  

Maßnahme 2: Stimmung 

Ist die gesamte Klasse kurzzeitig unkonzentriert, können die Lehrkräfte mit ihrer Stimme buchstäblich Stimmung machen. Sie sollten mal leiser, mal lauter sprechen, bewusst Pausen einlegen und Blickkontakt zu den Kindern aufnehmen, die gezielt den Unterricht stören wollen. Mit dieser Methode lässt sich zwar kein dauerhaft störungsfreier Unterricht erreichen, aber es werden zumindest kurze Tiefpunkte überbrückt. Das kann bereits in einigen Situationen helfen.

Noch sinnvoller ist es, geeignete Präventivmaßnahmen festzulegen, um interne Unterrichtsstörungen möglichst zu verhindern. Hierfür kommt es insbesondere auf die Klassenführung der Lehrkraft an.

Prävention: Mit effektiver Klassenführung Unterrichtsstörungen vermeiden

Etwaige Unterrichtsstörungen sind grundsätzlich mit dem Verhalten der Lehrkräfte verbunden. Lehrkräfte mit einer effektiven Klassenführung zeigen folgende Verhaltensweisen:

  • Sie informieren ihre Schülerinnen und Schüler gründlich über geltende Regeln und Abläufe des Unterrichts.
  • Sie setzen Regeln konsistent und konsequent durch.
  • Die Lehrkräfte vermitteln Informationen explizit und klar.

Darüber hinaus können diese fünf Kriterien für eine effektive Klassenführung sorgen: 

  1. Allgegenwärtigkeit: Die Lehrkraft sollte möglichst alles mitbekommen, was in der Klasse passiert.
  2. Überlappung: Lehrerinnen und Lehrer sollten in der Lage sein, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.
  3. Gruppenmobilisierung: Es hilft, möglichst viele Schülerinnen und Schüler in eine Gruppeninteraktion einzubeziehen.
  4. Reibungslosigkeit und Dynamik: Übergänge zwischen Unterrichtsphasen sollten reibungslos verlaufen.
  5. Interessante Stillarbeit: Schafft es die Lehrkraft, Methoden und Inhalte interessant zu gestalten, wirkt dies Unterrichtsstörungen entgegen.

Beobachtungsbögen für Lehrkräfte

Produktempfehlungen

Passende Arbeitshilfen zum Umgang mit Unterrichtsstörungen bietet die Software „Dienstliche Beurteilungen und Leistungsberichte in der Schule schnell und sicher erstellen“. Die fertigen Textbausteine helfen nicht nur bei der dienstlichen Beurteilung, sondern auch bei der Gestaltung des Unterrichts und der Reaktion auf störendes Verhalten im Schulalltag.

Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS erfordern einen besonderen pädagogischen Umgang. Hierfür liefert die Software „Besondere Kinder“ passende Beobachtungsberichte zur Unterrichtsbeobachtung bei verhaltensauffälligen Kindern und Checklisten für Unterrichtsregeln bei Kindern mit ADHS. Jetzt informieren!

Quelle: „Umgang mit Disziplinproblemen und Unterrichtsstörungen“

Mehr zu den Themen: Schule