Liquiditätsplanung: In 5 Schritten die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sichern
31.03.2026 | L. Gschnitzer – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH
Eine Liquiditätsplanung hilft Unternehmen dabei, den Überblick über alle erwarteten Zahlungsströme zu behalten. Sie zeigt frühzeitig, wann finanzielle Engpässe drohen, und schafft damit die Grundlage, rechtzeitig gegenzusteuern. Was eine Liquiditätsplanung beinhaltet, wie Verantwortliche diese erstellen und mit welchen Strategien sie die Zahlungsfähigkeit ihres Unternehmens sichern.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Liquiditätsplanung?
- Was gehört in eine Liquiditätsplanung?
- Beispiel: Wie sieht eine Liquiditätsplanung aus?
- Liquiditätsplanung erstellen in 5 Schritten
- Wer erstellt eine Liquiditätsplanung?
- Tipps und Strategien zur Liquiditätssicherung
- Vorlagen zur Liquiditätsplanung
Eine Liquiditätsplanung ist eine Gegenüberstellung aller erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens in einem festgelegten Zeitraum. Sie ermöglicht es, finanzielle Engpässe frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.
Das Ziel ist es, die Zahlungsfähigkeit eines Betriebs zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen.
Was gehört in eine Liquiditätsplanung?
In einen Liquiditätsplan gehören alle Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens, die für einen festgelegten Planungszeitraum erwartet werden. Dabei zählt immer der Zeitpunkt, an dem das Geld tatsächlich fließt.
Folgendes Schema zeigt, wie eine Liquiditätsplanung funktioniert:
| Anfangsbestand von allen liquiden Mitteln aus Bank und Kasse |
| + Einzahlungen innerhalb einer Periode |
| = Verfügbare Mittel |
| – Auszahlungen innerhalb einer Periode |
| = Endbestand |
Die einzelnen Schritte der Liquiditätsplanung werden im Folgenden erläutert.
Einzahlungen
Bei den Einzahlungen werden alle Geldbeträge erfasst, die einem Unternehmen im Planungszeitraum zufließen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Umsatzerlöse
- Einzahlungen von Gesellschaftern
- Pacht- und Lizenzerlöse
- Einzahlungen aus Miet-, Zins- oder Dividendenerträgen
- Vermögensverkäufe
Auszahlungen
Die Auszahlungsseite umfasst alle abgehenden Zahlungen zum tatsächlichen Abflusszeitpunkt.
Typische Auszahlungen sind etwa:
- Personalkosten
- Einkauf von Waren, Material und Dienstleistungen
- Miete, Leasing und laufende Betriebskosten
- Kredittilgungen und Zinszahlungen
- Steuerzahlungen
Achtung: Die Umsätze und Kosten im Liquiditätsplan sollten grundsätzlich als Bruttobeträge inklusive Mehrwertsteuer erfasst werden, da diese liquiditätswirksam ist.
Beispiel: Wie sieht eine Liquiditätsplanung aus?
Das folgende Beispiel zeigt einen vereinfachten 3-Monats-Liquiditätsplan für ein fiktives mittelständisches Unternehmen. Alle Beträge sind Bruttowerte inklusive Mehrwertsteuer.
| Januar | Februar | März | |
| Anfangsbestand | 15.000 € | 10.000 € | 7.500 € |
| Einzahlungen | |||
| Kundenzahlungen | 20.000 € | 15.000 € | 18.000 € |
| Sonstige Einzahlungen | 2.000 € | 500 € | 3.000 € |
| Summe Einzahlungen | 22.000 € | 15.500 € | 21.000 € |
| Auszahlungen | |||
| Personalkosten | 7.000 € | 7.000 € | 7.000 € |
| Miete und Betriebskosten | 4.000 € | 4.000 € | 4.000 € |
| Lieferanten (Material) | 11.000 € | 6.000 € | 12.000 € |
| Sonstige Auszahlungen | 5.000 € | 1.000 € | 5.500 € |
| Summe Auszahlungen | 27.000 € | 18.000 € | 28.500 € |
| Netto-Liquidität (Einzahlungen – Auszahlungen) |
–5.000 € | –2.500 € | –7.500 € |
| Endbestand (Anfangsbestand + Netto-Liquidität) |
10.000 € | 7.500 € | 0 € |
→ Was zeigt dieses Beispiel?
- Januar: Die Netto-Liquidität ist mit –5.000 € negativ. Durch den Anfangsbestand von 15.000 € bleibt am Monatsende allerdings noch ein Restbestand von 10.000 €. Trotzdem sollten die Ursachen für die negative Monatsentwicklung bereits jetzt analysiert werden.
- Februar: Erneut ist die Netto-Liquidität negativ (–2.500 €). Die Reserven sinken weiter auf 7.500 €. Die finanzielle Situation verschlechtert sich.
- März: Mit –7.500 € Netto-Liquidität fällt der Endbestand auf 0 €. Es ist kein Puffer mehr vorhanden. Ein verspäteter Zahlungseingang oder eine unerwartete Ausgabe könnten die Zahlungsfähigkeit gefährden.
Dieses Beispiel verdeutlicht, warum eine Liquiditätsplanung so wichtig ist: Sie macht Engpässe sichtbar, bevor sie eintreten, und ermöglicht es Unternehmen, rechtzeitig gegenzusteuern.
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Liquiditätsplanung erstellen in 5 Schritten: Vorgehen
Zuerst sollten Verantwortliche entscheiden, über welchen Zeitraum und in welchen Intervallen sie planen. Für den laufenden Geschäftsbetrieb hat sich eine rollierende 12-Monats-Planung in monatlichen Abschnitten bewährt. In Krisensituationen empfiehlt sich eine kurzfristige 13-Wochen-Liquiditätsplanung auf Wochenbasis. Für Finanzierungs- oder Investitionsentscheidungen sollte der Plan 36 Monate abdecken.
Alle relevanten Unterlagen wie aktuelle Kontoauszüge, laufende Verträge mit Zahlungsterminen oder Steuerbescheide sammeln. Besonders wichtig ist eine realistische Einschätzung der Zahlungsziele der Kundschaft: Wann zahlen sie tatsächlich und nicht, wann sie laut Vertrag zahlen sollten.
Alle erwarteten Ein- und Auszahlungen in den Liquiditätsplan eintragen. Bei den Zahlungseingängen empfiehlt es sich, sich an bestehenden Aufträgen, wiederkehrenden Umsätzen oder realistischen Umsatzprognosen zu orientieren.
Die Ergebnisse der Liquiditätsplanung analysieren: In welchen Perioden droht eine Unterdeckung? Wie groß ist die Lücke? Und wie viel Vorlaufzeit besteht?
Je nach Situation können unterschiedliche Maßnahmen infrage kommen (zum Beispiel Zahlungsziele für Kundinnen und Kunden verkürzen, geplante Investitionen verschieben etc.).
Ein Liquiditätsplan ist kein statisches Dokument. Daher sollten die Verantwortlichen die Planwerte monatlich mit den tatsächlichen Ist-Zahlen abgleichen und Abweichungen in die Folgemonate übertragen.
Wer erstellt eine Liquiditätsplanung?
Je nach Unternehmensgröße sind unterschiedliche Personen dafür verantwortlich, eine Liquiditätsplanung zu erstellen. In größeren Unternehmen sind es in der Regel der CFO oder die Leitung Finanzen und Rechnungswesen. Im Mittelstand übernimmt diese Aufgabe häufig die Finanz- oder Buchhaltungsleitung. In kleineren Unternehmen erstellen oft die Inhaber oder die Geschäftsführung selbst die Liquiditätsplanung.
Tipps und Strategien, um die Liquidität im Unternehmen zu sichern
Welche Maßnahmen die Liquidität eines Unternehmens verbessern, hängt von der jeweiligen Situation des Betriebs ab. Die folgenden Tipps und Strategien geben einen Überblick, wie sich die Liquidität eines Unternehmens stärken lässt:
- Frühwarnsystem einrichten: Regelmäßig zentrale Finanzkennzahlen wie Cashflow, Eigenkapitalquote oder Gesamtkapitalrentabilität beobachten – etwa über die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA). Eine tägliche Kontenkontrolle hilft zusätzlich, Engpässe frühzeitig zu erkennen.
- Forderungsmanagement optimieren: Rechnungen sofort nach Leistungserbringung stellen, Zahlungsziele verkürzen und Zahlungsfristen überwachen. Bei größeren oder zeitlich versetzten Aufträgen empfiehlt es sich, Teilabrechnungen einzuführen.
- Kosten analysieren: Die Kosten nach Kostenart, Kostenstelle und Kostenträger aufschlüsseln. Das hilft dabei, zu erkennen, wo Einsparpotenzial besteht (etwa bei Betriebskosten, Lieferantenkonditionen oder internen Prozessen).
- Ausgaben steuern: Längere Zahlungsziele bei Lieferanten schaffen Spielraum. Außerdem ist es sinnvoll zu prüfen, ob beispielsweise eine Umstellung von Käufen auf Leasing die laufende Liquidität entlastet.
- Finanzierungen neu strukturieren: Prüfen, ob Tilgungsaussetzungen mit der Bank oder eine Umschuldung bestehender Kredite möglich sind.
- Fördermittel prüfen: Viele Unternehmen schöpfen verfügbare Förderprogramme nicht vollständig aus. Eine regelmäßige Überprüfung kann zusätzliche Liquidität freisetzen.
- Offen kommunizieren: Frühzeitig mit allen relevanten Beteiligten (Banken, Lieferanten, Gläubiger, Finanzamt etc.) sprechen, sobald sich ein Engpass abzeichnet.
Vorlagen zur Liquiditätsplanung
Einfache Vorlagen und Arbeitshilfen unterstützen dabei, eine Liquiditätsplanung zu erstellen und auch in Krisensituationen den finanziellen Überblick zu behalten. Solche Vorlagen gibt es zum Beispiel hier:
Quelle: „UnternehmensKompass“