Lohnveredelung: Definition, Arten und Bedeutung im internationalen Handel
13.03.2025 | S.Horsch – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

Inhaltsverzeichnis:
- Definition und Grundlagen der Lohnveredelung
- Arten der Lohnveredelung
- Checkliste: aktive oder passive Lohnveredelung?
- Lieferantenerklärungen und Lohnveredelung
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Lohnveredelung
- Fazit: Lohnveredelung als strategisches Instrument im internationalen Handel
Definition und Grundlagen der Lohnveredelung
Unter Lohnveredelung versteht man im klassischen Sinne die Be- oder Weiterverarbeitung von Material gegen Entgelt. Das Endprodukt wird anschließend in das Ex- bzw. Importland zurückgeführt. Das zu verarbeitende Material bleibt grundsätzlich in der Verfügungsgewalt des Auftragsgebers und die Veredelung erfolgt im Rahmen eines „Werkvertrags“. Im Zeitalter der globalen Arbeitsteilung eine gute Möglichkeit, die Lohnkosten gering zu halten, indem lohnintensive und allgemein „einfache“ Arbeits- bzw. Produktionsschritte ins Ausland verlagert werden.
Unterschieden wird grundsätzlich zwischen der aktiven und passiven Veredelung. Themenübergreifend lässt sich festhalten, dass der Prozess in drei Phasen unterteilt werden kann:
Phase 1: Vorübergehende Ausfuhr bzw. Einfuhr
Phase 2: Veredlungsvorgang im Drittland bzw. in der EU
Phase 3: Nichterhebung der Einfuhrabgaben
Wann liegt eine Lohnveredelung vor?
Eine Lohnveredelung liegt vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Die Weiterverarbeitung von Materialien erfolgt gegen Entgelt.
- Das Eigentum am Material verbleibt beim Auftraggeber.
- Die Verarbeitung findet im Rahmen eines Werkvertrags statt.
Wichtig: Bei der Lohnveredelung erbringt der Auftragnehmer lediglich eine Dienstleistung. Er wird nicht Eigentümer der zu verarbeitenden Materialien. Dies unterscheidet die Lohnveredelung von anderen Formen der Auftragsfertigung oder des Handels mit Halbfabrikaten.
Arten der Lohnveredelung
Bei der Lohnveredelung geht es grundsätzlich um die Nichterhebung von Zöllen und anderen Einfuhrabgaben. Im Außenhandel unterscheidet man vor allem die zwei Hauptarten der Lohnveredelung, die aktive und passive Veredelung, die in diesem Beitrag ausführlich beleuchtet werden. Daneben gibt es aber auch weitere Formen der Lohnveredelung, die im Folgenden vorgestellt werden.
Lohnveredelung an Gegenständen der Ausfuhr
Eine besondere Form ist die Lohnveredelung an Gegenständen der Ausfuhr. Sie liegt vor, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Der Auftraggeber führt den Gegenstand zur Bearbeitung in das Gemeinschaftsgebiet ein oder erwirbt ihn dort.
- Der bearbeitete Gegenstand wird anschließend in ein Drittland oder bestimmte, gesetzlich festgelegte Gebiete befördert.
Diese Form der Lohnveredelung ist relevant für Unternehmen, die in globalen Lieferketten operieren und spezifische Veredelungsprozesse in der EU durchführen lassen, bevor die Produkte in Drittländer exportiert werden. Sie erfordert eine genaue Kenntnis der zollrechtlichen Bestimmungen und eine sorgfältige Dokumentation der Warenströme.
Innergemeinschaftliche Lohnveredelung und Umsatzsteuer
Bei der innergemeinschaftlichen Lohnveredelung sind Auftraggeber und Auftragnehmer in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten ansässig. Diese Form der Lohnveredelung erfordert besondere Beachtung der umsatzsteuerlichen Regelungen innerhalb der EU. Die innergemeinschaftliche Lohnveredelung profitiert von den Vorteilen des EU-Binnenmarktes, wie dem freien Warenverkehr, muss aber dennoch bestimmte Melde- und Dokumentationspflichten erfüllen.
Unternehmen, die innergemeinschaftliche Lohnveredelung betreiben, müssen sicherstellen, dass sie die korrekten Meldungen im Rahmen des Intrastat-Systems vornehmen und die Umsatzsteueridentifikationsnummern ihrer Geschäftspartner überprüfen. Zudem ist eine klare vertragliche Regelung der Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen zwischen den beteiligten Parteien unerlässlich.
Praktische Anwendung der Lohnveredelung: Beispiele
Aktive Lohnveredelung Beispiel: Ein deutsches Unternehmen schickt Stoffe und Garne nach Polen, wo diese zu Kleidungsstücken verarbeitet werden. Die fertigen Kleidungsstücke werden dann zurück nach Deutschland importiert, um dort verkauft zu werden. Hierbei handelt es sich um aktive Lohnveredelung, da die Rohstoffe aus Deutschland exportiert und die fertigen Produkte wieder importiert werden.
Passive Lohnveredelung Beispiel: Ein deutsches Unternehmen importiert Elektronikkomponenten aus China. Diese Komponenten werden in Deutschland zu fertigen Elektronikgeräten montiert. Die fertigen Geräte werden dann auf dem deutschen Markt verkauft. Dies ist ein Beispiel für passive Lohnveredelung, da die Halbfertigprodukte importiert und die fertigen Produkte im Inland weiterverarbeitet werden.
Wann ist eine aktive Lohnveredelung sinnvoll – wann eine passive? Eine hilfreiche Arbeitshilfe bei der Entscheidungsfindung bietet die folgende Checkliste.
Lieferantenerklärungen und Lohnveredelung
Werden im Zuge eines Produktionsprozesses innerhalb der EU bestimmte Tätigkeiten ausgelagert (an sogenannte Lohnveredler), sind diese Tätigkeiten seitens des beauftragten Veredelungsbetriebs durch eine Lieferantenerklärung (LE) zu belegen. Ansonsten gelten die zurückkommenden Waren als solche ohne Ursprungseigenschaft (Drittlandsursprungswaren). Der Veredelungsbetrieb kann – sofern ihm keine weiteren Daten vorliegen – anstelle einer LE für Waren mit Präferenzursprung eine LE für Waren ohne Präferenzursprung ausstellen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Lohnveredelung
1. Ist eine Reparatur eine Lohnveredelung?
Diese Frage ist nicht immer eindeutig zu beantworten. Grundsätzlich kann eine Reparatur als Lohnveredelung gelten, wenn sie im Rahmen einer zollamtlich bewilligten aktiven Veredelung durchgeführt wird. Dies ist besonders relevant im internationalen Kontext, wenn Waren zur Reparatur in ein anderes Land verbracht und anschließend wieder ausgeführt werden.
Die Einordnung einer Reparatur als Lohnveredelung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Umfang der durchgeführten Arbeiten, dem Wert der hinzugefügten Komponenten und dem Zweck der Reparatur. In vielen Fällen wird eine einfache Reparatur, die lediglich den ursprünglichen Zustand wiederherstellt, nicht als Lohnveredelung betrachtet. Komplexere Reparaturen, die eine wesentliche Verbesserung oder Modifikation des Gegenstands beinhalten, können jedoch unter Umständen als Lohnveredelung eingestuft werden.
2. Was ist ein Lohnveredelungsvertrag?
Ein Lohnveredelungsvertrag ist ein rechtlich bindendes Dokument, das die Bedingungen der Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Lohnveredler regelt. Dieser Vertrag ist von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Lohnveredelung und sollte sorgfältig ausgearbeitet werden, um potenzielle Konflikte zu vermeiden und eine reibungslose Abwicklung zu gewährleisten.
Ein umfassender Lohnveredelungsvertrag sollte folgende Aspekte beinhalten:
- Qualitätsanforderungen: Detaillierte Spezifikationen für die zu erbringende Veredelungsleistung, einschließlich Toleranzen und Prüfmethoden.
- Umfang der Leistungen: Genaue Beschreibung der durchzuführenden Arbeiten, verwendeter Materialien und eventueller Zusatzleistungen.
- Mengen und Zeitrahmen: Festlegung der zu verarbeitenden Mengen und der vereinbarten Liefertermine.
- Preise und Zahlungsbedingungen: Klare Regelungen zur Vergütung der Veredelungsleistung und den Zahlungsmodalitäten.
- Haftungsfragen und Gewährleistung: Bestimmungen zur Verantwortlichkeit bei Qualitätsmängeln, Lieferverzögerungen oder Beschädigungen der Waren.
- Geheimhaltungsvereinbarungen: Schutz vertraulicher Informationen und geistigen Eigentums.
- Regelungen zur Materialbeistellung: Festlegung, wie und wann das zu veredelnde Material bereitgestellt wird.
- Qualitätskontrolle und Abnahme: Prozesse zur Überprüfung der veredelten Waren und Kriterien für die Abnahme.
- Laufzeit und Kündigungsbestimmungen: Festlegung der Vertragsdauer und Bedingungen für eine vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit.
Ein gut strukturierter Lohnveredelungsvertrag schafft Klarheit für alle Beteiligten und bildet die Grundlage für eine erfolgreiche und langfristige Geschäftsbeziehung.
3. Ist Lohnveredelung eine Werkleistung?
Die Frage, ob Lohnveredelung als Werkleistung zu betrachten ist, hat sowohl rechtliche als auch steuerliche Implikationen. Grundsätzlich kann Lohnveredelung als Werkleistung betrachtet werden, wenn das Entgelt für die Leistung nach Art eines Werklohns berechnet wird. Dies ist unabhängig vom Unterschied zwischen dem Marktpreis des empfangenen Stoffs und dem des überlassenen Gegenstands.
Folgende Kriterien sprechen dafür, dass Lohnveredelung als Werkleistung einzustufen ist:
- Der Lohnveredler verpflichtet sich zur Herstellung eines bestimmten Werkes, nämlich der Veredelung des vom Auftraggeber bereitgestellten Materials.
- Der Erfolg der Veredelung, nicht nur die Tätigkeit an sich, ist geschuldet.
- Die Vergütung wird in der Regel für das fertige Werk und nicht nach Zeitaufwand berechnet.
- Der Lohnveredler trägt das Risiko für die fachgerechte Ausführung der Veredelungsarbeiten.
Die Einordnung als Werkleistung hat Auswirkungen auf verschiedene rechtliche Aspekte, wie die Gewährleistung, die Risikoverteilung und die steuerliche Behandlung. Es ist wichtig zu beachten, dass die genaue rechtliche Einordnung im Einzelfall von den spezifischen Vereinbarungen zwischen den Parteien und den Umständen der Lohnveredelung abhängen kann.
Fazit: Lohnveredelung als strategisches Instrument im internationalen Handel
Die Lohnveredelung ist ein bedeutendes Instrument, weil sie es Unternehmen ermöglicht, Kostenvorteile zu nutzen und ihre globale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Allerdings erfordert die erfolgreiche Umsetzung der Lohnveredelung eine sorgfältige Planung, klare vertragliche Regelungen und ein fundiertes Verständnis der rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen. Unternehmen müssen insbesondere auf die korrekte Dokumentation, die Einhaltung von Zollvorschriften und die umsatzsteuerliche Behandlung achten, insbesondere bei der innergemeinschaftlichen Lohnveredelung.
Ein gut strukturierter Lohnveredelungsvertrag ist entscheidend für eine reibungslose Abwicklung und sollte Aspekte wie Qualitätsanforderungen, Leistungsumfang, Preise, Haftungsfragen und Geheimhaltungsvereinbarungen umfassen. Die rechtliche Einordnung der Lohnveredelung als Werkleistung hat zudem wichtige Implikationen für Gewährleistung, Risikoverteilung und steuerliche Behandlung.
Insgesamt stellt die Lohnveredelung ein komplexes, aber potenziell sehr nützliches Instrument dar, das bei korrekter Anwendung erhebliche Vorteile für Unternehmen im globalen Wettbewerb bieten kann.
Quellen: „Zoll.Export – Zoll & Außenwirtschaft 2025“;