Wie funktioniert ein papierloses Büro? – Einführung, Datenschutz und Tipps für Unternehmen

10.03.2026 | T. Reddel – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

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KI-generiert

Im Jahr 2023 verfügte etwa jedes achte Unternehmen in Deutschland über ein papierloses Büro. Das geht aus einer Unternehmensbefragung der Firma Bitkom hervor. In Zeiten von KI und Digitalisierung gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig gelten in Deutschland weiterhin strenge Anforderungen an Datenschutz und Aufbewahrungsfristen. Wie können Unternehmen dennoch ein papierloses Büro etablieren, ohne gesetzliche Vorgaben zu missachten, und welche Vor- und Nachteile sollten sie dabei beachten?

Inhaltsverzeichnis

  1. Was versteht man unter einem papierlosen Büro?
  2. Aktuelle Rechtslage für Unternehmen
  3. Vor- und Nachteile eines papierlosen Büros
  4. Wie funktioniert ein papierloses Büro? – Anforderungen und Beispiele
  5. Checkliste für Unternehmen
  6. Seminar zum papierlosen Büro
  7. Fazit: Worauf ist beim papierlosen Büro zu achten?

Was versteht man unter einem papierlosen Büro?

Ein papierloses Büro ist eine Arbeitsumgebung, in der Unternehmen Dokumente, Informationen und Prozesse überwiegend digital verwalten. Statt Papierakten kommen Systeme für Dokumentenmanagement und digitale Archivierung zum Einsatz. Die Digitalisierung von Dokumenten erfolgt häufig über Scanner, automatisierte Arbeitsabläufe und zentrale Cloud- oder Serverlösungen.

Um die Koordination dieser Vorgänge kümmern sich insbesondere Assistenzkräfte und Verantwortliche im Office-Management. Sie strukturieren digitale Ablagen, verwalten Dokumentenmanagement-Systeme (DMS) und entwickeln Standards für die Ablage von Dateien. Auch Schulungen für Mitarbeitende gehören häufig zu ihrem Aufgabenbereich.

Eine aktuelle Statistik zeigt die steigende Bedeutung digitaler Dokumente in Deutschland: Laut Bitkom arbeiteten im Jahr 2023 rund 12 Prozent der Unternehmen komplett papierlos und 28 Prozent nur noch zu etwa einem Viertel papierbasiert. Vor allem große Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden setzten verstärkt auf ein papierloses Dokumentenmanagement. 25 Prozent agierten hingegen noch zu drei Vierteln oder komplett papierbasiert.

Aktuelle Rechtslage für Unternehmen

Bislang gibt es in Deutschland keine gesetzliche Pflicht für Unternehmen, ein papierloses Büro zu etablieren. Gesetzliche Vorschriften verlangen jedoch eine ordnungsgemäße Aufbewahrung und Archivierung von Geschäftsunterlagen, etwa hinsichtlich der elektronischen Verwaltung und der Aufbewahrungsfristen.

Diese Anforderungen regeln vor allem:

  • GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form)
  • Handelsgesetzbuch (HGB, etwa § 257)
  • Abgabenordnung (AO, etwa § 147)

Nach den GoBD gelten für in elektronischer Form abgelegte, handels- und steuerrechtlich relevante Dokumente: Sie müssen im Laufe der gesamten Aufbewahrungszeit jederzeit abrufbar sein. Außerdem müssen sie unveränderbar, nachvollziehbar, vollständig und maschinell auswertbar sein. Diese Anforderungen sind zum Beispiel bei der Auswahl eines DMS zu prüfen.

Achtung: Einige Dokumente benötigen weiterhin eine Originalaufbewahrung, etwa notarielle Urkunden oder bestimmte Vertragsunterlagen. Assistenzkräfte und Verantwortliche im Office-Management übernehmen häufig die Organisation dieser Archivierungsstrukturen. Sie achten darauf, dass digitale Dokumente korrekt gespeichert und gesetzliche Fristen eingehalten werden.

Bietet ein papierloses Büro demnach mehr Chancen oder Risiken für Unternehmen?

Vor- und Nachteile eines papierlosen Büros

Die Einführung eines papierlosen Büros bietet Unternehmen einige Vorteile. Gleichzeitig entstehen neue organisatorische Anforderungen, wie der folgende Vergleich zeigt:

Vorteile Nachteile
Schnellere Dokumentensuche: Digitale DMS ermöglichen je nach Tool eine strukturierte Ablage und Suchfunktionen. So finden Mitarbeitende ihre benötigten Dateien innerhalb weniger Sekunden. Investitionen für Soft- und Hardware: Anfangs (und teils auch langfristig) braucht es Investitionen in geeignete Softwarelösungen, Scanner, Speicherlösungen und gegebenenfalls Anpassungen der IT-Infrastruktur.
Effizientere Zusammenarbeit: Digitale Dokumente lassen sich von mehreren Personen gleichzeitig bearbeiten oder kommentieren. So können Abstimmungsprozesse zwischen Abteilungen schneller und transparenter ablaufen. Abhängigkeit von IT-Systemen: Digitale Dokumentenprozesse funktionieren nur zuverlässig, wenn Server, Cloudsysteme und Software stabil laufen und regelmäßig gewartet werden.
Reduzierte Papier- und Druckkosten: Durch die papierlose Arbeitsweise senken Unternehmen langfristig ihre Ausgaben für Papier, Drucker, Toner und Archivflächen. Schulungsbedarf für Mitarbeitende: Beschäftigte müssen neue Tools, digitale Arbeitsabläufe und Ablagestrukturen kennenlernen. Daher sollten Unternehmen entsprechende Schulungen und Richtlinien für das Dokumentenmanagement bereitstellen.
Nachhaltigere Arbeitsweise: Der geringere Papierverbrauch reduziert Ressourcenverbrauch und Abfall. So können Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele im Rahmen der Digitalisierung erreichen. Erhöhte Datenschutz-Anforderungen: Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie alle digitalen Dokumente DSGVO-konform speichern und verarbeiten. Hierfür sind beispielsweise geregelte Zugriffskontrollen, Verschlüsselungen und Berechtigungskonzepte nötig.

Ein papierloses Büro kann ein umfangreicher Effizienzbooster sein, wenn es ausreichend geplant und strukturiert durchgeführt wird. Doch wie lässt sich eine solche digitale Verwaltung in der Praxis umsetzen?

Wie funktioniert ein papierloses Büro? – Anforderungen und Beispiele

Die Einführung eines papierlosen Büros basiert auf mehreren organisatorischen und technischen Grundlagen.

Damit die Digitalisierung und Verwaltung von Dokumenten gelingt, helfen unter anderem folgende Prozesse:

  • Digitale Erfassung von Dokumenten durch Scanner oder Apps
  • Strukturierte Ablage in einem DMS
  • Automatische Workflows zur Bearbeitung und Freigabe
  • Sichere Speicherung auf Servern oder in Cloudsystemen
  • Klare Zugriffsrechte für Mitarbeitende

Auch der Datenschutz spielt bei der Implementierung eine wesentliche Rolle. Unternehmen müssen sicherstellen, dass personenbezogene Daten gemäß DSGVO verarbeitet werden. Dazu gehören etwa verschlüsselte Speicherlösungen, Zugriffskontrollen und regelmäßige Backups.

Assistenzkräfte im Office-Management koordinieren häufig diese Dokumentenstruktur. Sie definieren Ordnerstrukturen, Ablagekonventionen und Namensregeln. Dadurch entsteht idealerweise eine übersichtliche digitale Umgebung. Technische Tools unterstützen diese Prozesse. Typische Beispiele sind Dokumentenmanagement-Systeme, digitale Signatursoftware und Kollaborationstools für Teams.

Wie eine solche Einführung in der Praxis aussehen kann, zeigen folgende fiktive Beispiele.

Beispiele für ein papierloses Büro im Unternehmen

Je nach Unternehmensgröße funktioniert ein papierloses Büro unterschiedlich, folgt jedoch denselben Grundprinzipien.

Allgemeines Beispiel

Ein Unternehmen digitalisiert eingehende Post direkt beim Empfang. Scanner übertragen Dokumente in ein DMS, während die Mitarbeitenden über digitale Akten auf die Informationen zugreifen. Rechnungen durchlaufen automatische Freigabeprozesse.

Beispiel für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

KMU nutzen häufig einfache Cloudlösungen und kostengünstige Tools. Assistenzkräfte scannen Rechnungen und Verträge. Die Dokumente werden in Cloudordnern oder DMS wie DATEV oder DocuWare gespeichert. Digitale Signaturen ermöglichen Papierunterschriften am Computer oder Tablet.

Beispiel für Großunternehmen

Großunternehmen setzen häufig umfangreichere Plattformen für Dokumentenmanagement und Workflow-Automatisierung ein. Solche Systeme integrieren ERP-Software, HR-Systeme und Archivlösungen in einem. Assistenzkräfte im Office-Management überwachen die dazugehörigen Prozesse, organisieren Zugriffsrechte und dokumentieren Abläufe.

→ Diese Beispiele zeigen, dass ein papierloses Unternehmen unabhängig von der Unternehmensgröße Schritt für Schritt realisierbar ist. Die konkrete Umsetzung hängt vor allem von Budget, IT-Infrastruktur und organisatorischen Anforderungen ab. Oft hilft es, einzelne Aufgabenbereiche oder Prozesse zu digitalisieren, bevor die gesamte Verwaltung auf einmal umgestellt werden soll. Bei der Einführung unterstützen auch entsprechende Checklisten.

Checkliste für Unternehmen

Ein erfolgreiches papierloses Büro erfordert eine passende Strategie. Hierbei sollten Unternehmen mehrere organisatorische und rechtliche Aspekte berücksichtigen:

Checkliste: Papierloses Büro einführen
1. Bestehende Ablagesysteme prüfen und papierbasierte Prozesse identifizieren.
2. Einen Anforderungskatalog an das neue Archivierungssystem und etwaige Tools formulieren.
3. Geeignete Hard- und Software auswählen, zum Beispiel Dokumentenscanner, DMS, Cloudlösungen und Tools für digitale Signaturen.
4. Prüfen, ob die geplante digitale Archivierung den Anforderungen von GoBD, Handels- und Steuerrecht entspricht, und dazugehörige Aufbewahrungsfristen dokumentieren.
5. Zugriffskontrollen und Verschlüsselung organisieren, damit personenbezogene Daten DSGVO-konform gespeichert werden.
6. Den Betriebsrat einbeziehen, sofern Tools eingeführt werden, die geeignet sind, das Verhalten oder die Leistung der Angestellten zu überwachen (Mitbestimmungsrecht nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG).
7. Eine Pilotphase durchführen, um in einzelnen Abteilungen die ausgewählte Hard- und/oder Software zu testen.
8. Mitarbeitende im Umgang mit den neuen Anwendungen und Prozessen schulen, insbesondere Assistenzkräfte und andere Verantwortliche im Office-Management.
9. Bisherigen Einsatz evaluieren, bei Bedarf Optimierungen durchführen und die neuen Systeme anschließend auf die übrigen Unternehmensbereiche ausweiten.
10. Insbesondere in der Anfangsphase regelmäßige Feedbackrunden organisieren, um etwaige Startschwierigkeiten zu ermitteln und den Einführungsprozess zu unterstützen.

Mit diesen Tipps setzen Unternehmen den Übergang zu digitalen Dokumentenstrukturen strukturiert um.

Seminar zum papierlosen Büro

Vor allem Assistenzkräfte und andere Verantwortliche im Office-Management sollten umfangreiche Kompetenzen im Dokumentenmanagement besitzen. Um diese auf- oder auszubauen, eignen sich entsprechende Weiterbildungen wie Seminare und andere Austauschplattformen. Dort informieren sie sich über Themen wie KI im Office-Alltag, Datenschutz und rechtliche Anforderungen. Außerdem lernen die Teilnehmenden neue Tools und Praxisbeispiele kennen. Unternehmen profitieren hingegen von geschulten Mitarbeitenden, die digitale Prozesse effizient organisieren und Optimierungspotenziale erkennen.

Veranstaltungsempfehlung

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Fazit: Worauf ist beim papierlosen Büro zu achten?

Das papierlose Büro ist inzwischen ein wesentlicher Bestandteil vieler Unternehmensorganisationen. Es kann Kosten reduzieren, die Zusammenarbeit verbessern und den Zugriff auf Informationen beschleunigen. Gleichzeitig entstehen jedoch zusätzliche Investitionen und Wartungsarbeiten für Technik und Mitarbeiterschulungen. Außerdem müssen sich Unternehmen mit den datenschutz- und steuerrechtlichen Vorgaben vertraut machen, etwa bezüglich der Aufbewahrungsfristen und der elektronischen Verarbeitung personenbezogener Daten. Einige Dokumente, wie bestimmte Urkunden oder Verträge, müssen weiterhin als gedruckte Originale aufbewahrt werden.

In jedem Fall spielen Assistenzkräfte und Verantwortliche im Office-Management eine zentrale Rolle bei der Einführung und Organisation dieser Strukturen. Damit die digitale Zusammenarbeit im Alltag funktioniert, sind eine sorgfältige Planung und geeignete Tools erforderlich. Damit sichern sich Unternehmen die Vorteile eines papierfreien Büros.

Quellen: Handbuch „Das GmbH-Recht“, Bitkom e. V., DATEV Trialog Magazin

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