Entwicklungsverzögerung bei Kindern: Wie können pädagogische Fachkräfte helfen?

03.06.2026 | Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

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Die Entwicklung eines Kindes findet vor allem in den ersten Lebensjahren statt. Dabei entwickelt sich jedes Kind unterschiedlich schnell. Stellen Eltern frühzeitig fest, dass eine Entwicklungsverzögerung vorliegt, können Kinder sie oftmals durch Therapien und Übungen aufholen. Aber auch pädagogische Fachkräfte in Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen können positiv auf die Entwicklung einwirken.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist eine Entwicklungsverzögerung? – Definition
  2. Welche Entwicklungsverzögerungen gibt es?
  3. Wie zeigt sich eine Entwicklungsverzögerung? – Tabelle mit Symptomen
  4. Mögliche Ursachen für eine Entwicklungsverzögerung bei Kindern
  5. Wie können pädagogische Fachkräfte bei Entwicklungsverzögerung helfen?

Was ist eine Entwicklungsverzögerung? – Definition

Eine Entwicklungsverzögerung ist eine vorübergehende Beeinträchtigung, die durch gezielte Förderung behoben werden kann. Das bedeutet, dass ein Kind beispielsweise bestimmte Fähigkeiten wie Laufen oder Sprechen erst später als Gleichaltrige erlangt, diese aber mit passender pädagogischer Unterstützung aufholen kann.

Da sich jedoch jedes Kind anders entwickelt, braucht es eine spezielle fachliche Einschätzung, um eine mögliche Entwicklungsverzögerung zu bestimmen.

Was ist der Unterschied zwischen Entwicklungsstörung und Entwicklungsverzögerung?

Im Gegensatz zur Entwicklungsverzögerung liegt bei einer Entwicklungsstörung eine tiefgreifendere, meist dauerhafte Beeinträchtigung vor. Hier bleiben Entwicklungsschritte entweder komplett aus oder weichen stark vom Normalverlauf ab. Bekannte Beispiele für Entwicklungsstörungen sind Autismus und ADHS.

Während sich eine Entwicklungsverzögerung oftmals auf äußere Einflüsse oder mangelnde Anregung zurückführen lässt, hat eine Entwicklungsstörung häufig neurologische, genetische oder organische Ursachen.

Welche Entwicklungsverzögerungen gibt es?

Gerade in den ersten Lebensmonaten und -jahren durchläuft ein Kind mehrere aufeinanderfolgende, zusammenhängende Entwicklungsphasen. So ist zum Beispiel das Schreien der Anfang vom Lallen, das sich zum Brabbeln entwickelt, bis das Kind schleißlich die ersten unzusammenhängenden Wörter spricht. Jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo – und solange es in gewissen Grenzen bleibt, müssen sich Eltern oder pädagogische Fachkräfte keine Sorgen machen. 

Es gibt jedoch Studien, die Grenzwerte festlegen, bis zu welchem Alter Kinder einen gewissen Entwicklungsstand erreicht haben sollten. Eine fachliche Beratung hierzu erhalten Eltern etwa in der Kinderarztpraxis. Ist solch ein Grenzwert überschritten, ist die Rede von einer Entwicklungsverzögerung.

Eine solche Verzögerung zeigt sich insbesondere in einem oder mehreren der folgenden Bereiche: 

  • Grobmotorik (Sitzen, Krabbeln, Laufen) und Feinmotorik (Greifen, Stifthalten)
  • Statomotorik (Bewegung und Haltungskontrolle)
  • Kognition (Lernen, Problemlösung, Gedächtnis)
  • Sprache (Sprachverständnis, Wortschatz, Aussprache)
  • Sozial-emotionale Kompetenzen (Umgang mit Mitmenschen, Emotionsregulierung)

Daneben gibt es noch die sogenannte „konstitutionelle Entwicklungsverzögerung“ (KEV). Bei dieser Normvariante entwickeln sich Kinder physiologisch verzögert, sodass sie zum Beispiel später als andere Wachstumsschübe durchlaufen oder ihre Pubertät später beginnt.

Wie zeigt sich eine Entwicklungsverzögerung? – Tabelle mit Symptomen

Ob eine Entwicklungsverzögerung vorliegt, ist so individuell wie die kindliche Entwicklung selbst. Je nach Alter und Entwicklungsstand erwirbt ein Mensch vom Baby bis zur Pubertät unterschiedliche Fähigkeiten. Ergeben sich hierbei erhebliche Abweichungen, liegt möglicherweise eine Verzögerung vor. Dann können auch bestimmte Symptome wie Verhaltensauffälligkeiten auf eine Entwicklungsverzögerung hindeuten.

Die folgende Tabelle zeigt wesentliche Entwicklungsschritte im Bereich der Grobmotorik, die in der Regel bis zu einem bestimmten Alter erreicht sein sollten. Bleiben diese Schritte wie beschrieben aus, kann dies auf eine Verzögerung hindeuten.

Alter des Kindes Mögliche Symptome
0–3 Monate
  • Kind kann nach drei Monaten in den meisten Situationen seinen Kopf bislang nicht allein aufrecht halten, sich nicht in Bauchlage auf Hände oder Ellenbogen stützen und den Kopf nicht hochhalten.
4–9 Monate
  • Nach rund sechs Monaten: Kann sich nicht allein vom Bauch auf den Rücken drehen.
  • Nach sieben bis zehn Monaten: Nutzt keine Art der Fortbewegung wie Krabbeln oder Robben.
  • Nach neun bis zehn Monaten: Kann sich nicht allein aufsetzen.
10–14 Monate
  • Kann sich nicht zum Stehen an Gegenständen hochziehen und sein Gewicht tragen.
  • Noch keine ersten Schritte mit Festhalten oder Entlanghangeln an Möbeln.
14–18 Monate
  • Kann trotz Konzentration noch nicht frei laufen.
1,5–2 Jahre
  • Kann noch nicht sicher laufen.
  • Kann noch nicht rückwärts gehen.
2–3 Jahre
  • Kann auch mit Festhalten noch keine Treppen steigen.
  • Kann noch nicht mit beiden Beinen vom Boden hochspringen.
3 Jahre
  • Kann keine Treppen mit einem Fuß pro Stufe steigen.
  • Nach rund dreieinhalb Jahren: Kann noch nicht vorwärtshüpfen und auf einem Bein stehen.
4 Jahre
  • Kann nicht auf einem Bein hüpfen.
5 Jahre
  • Kann nicht sicher und im Wechselschritt, ohne sich festzuhalten, Treppen steigen.
6–12 Jahre
  • Körperkraft nimmt nur sehr langsam zu.
  • Kann nicht oder nur unzureichend auf Zehenspitzen oder auf Fersen sicher rückwärts laufen.
Wenn mehrere dieser Anzeichen vorliegen, kann dies auf eine motorische Entwicklungsverzögerung hindeuten, muss es aber nicht. In diesem Fall sollten die Eltern gemeinsam mit ihrem Kind fachliche Hilfe suchen, beispielsweise in einer Kinderarztpraxis.

Doch auch pädagogische Fachkräfte sollten in der Lage sein, solche Indizien in den Grundzügen korrekt einzuordnen und zu bewerten.

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Mögliche Ursachen für eine Entwicklungsverzögerung bei Kindern

Die Ursachen für eine Entwicklungsverzögerung beruhen im Wesentlichen auf drei Komponenten:

  • Genetische Veranlagung und Gendefekte: Solche genetischen Veränderungen können etwa die Gehirnentwicklung oder den Stoffwechsel des Kindes stören, sodass es bestimmte Entwicklungsschritte verzögert erreicht.
  • Biologische Reifungsprozesse: Wächst beispielsweise das Hörorgan zu langsam, wird das Hörvermögen des Kindes beeinträchtigt. 
  • Einflüsse und Anregungen aus der direkten Umgebung: Die meisten Fähigkeiten erlernen Kinder durch Wiederholung und Übung. Deshalb gelingt es oft, eine Entwicklungsverzögerung wieder aufzuholen. 
Es gibt zahlreiche Therapieverfahren für entwicklungsverzögerte Kinder, die Eltern frühzeitig nutzen sollten. Aber auch pädagogische Fachkräfte in Kitas und Schulen können  entwicklungsverzögerte Kinder unterstützen.  

Wie können pädagogische Fachkräfte bei Entwicklungsverzögerung helfen? 

Der wichtigste Beitrag, den pädagogische Fachkräfte wie Erzieherinnen und Erzieher in der Kita leisten können, ist die Beobachtung der kindlichen Entwicklung. Maßnahmen wie Entwicklungsberichte helfen dabei, eine mögliche Verzögerung frühzeitig festzustellen.

Neben der Beobachtung können Pädagoginnen und Pädagogen auch unterstützend wirken, wenn eine Entwicklungsverzögerung festgestellt wurde. Mit den folgenden pädagogischen und organisatorischen Maßnahmen können Fachkräfte zum Beispiel hörbeeinträchtigten Kindern den Alltag in Kita und Schule erleichtern.

Beispiel: Hörbeeinträchtigung 

Pädagogische Maßnahmen 

  • Neben dem hörbeeinträchtigten Kind sollten möglichst ruhige Kinder sitzen, die das Zuhören nicht durch permanente Störgeräusche verhindern. 
  • Generell auf den Sprachgebrauch achten: Der richtige Gebrauch von Fragewörtern, Antworten in ganzen Sätzen oder entsprechend die Kinderantworten selbst in ganzen Sätzen wiederholen.  
  • Jedes Kind wird mit seinem Namen angesprochen, bevor es mit dem Gespräch beginnt. 
  • Texte, Reime und Lieder, die aktuell in Kita oder Schule verwendet werden, sollten den Eltern zur Verfügung gestellt werden, damit sie diese zu Hause mit dem Kind wiederholen können. 

Organisatorische Maßnahmen

  • Feste Rituale im Alltag geben dem Kind Sicherheit. Deshalb sollten pädagogische Fachkräfte darauf achten, dass Regeln eingehalten und nur selten Ausnahmen gemacht werden. 
  • Wichtige Regeln, Spiele, Spielorte oder Ähnliches gibt es auch als Bilder. Mit diesen können sich spracharme und hörbeeinträchtigte Kinder visuell entscheiden oder bemerkbar machen. 
  • Die Arbeit in Kleingruppen senkt den Lärmpegel/Störlärm. 
  • Ein hörbeeinträchtigtes Kind sollte immer mit dem Rücken zum Fenster sitzen, wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind.
Mit solchen Maßnahmen können Bildungseinrichtungen Kinder mit Verdacht auf oder bereits festgestellten Entwicklungsverzögerungen unterstützen. In der Praxis braucht es hierfür jedoch noch umfangreicheres Fachwissen, etwa beim Erstellen der Entwicklungsberichte oder Förderpläne.

Quellen: „Besondere Kinder“, pharmazeutische-zeitung.de

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