Expertenstandard Demenz 2026: Beziehungsgestaltung als Schlüssel zur Lebensqualität
22.07.2026 | L. Gschnitzer – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH
Menschen mit Demenz leben oft in Unsicherheit und Angst. Gerade deshalb ist die Bindung zu anderen Menschen – ob zu Familienangehörigen oder Pflegekräften – für sie besonders wichtig. Genau hier setzt der Expertenstandard Demenz an. Was dieser genau vorsieht und welche Änderungen die Aktualisierung 2026 mit sich bringt, lesen Sie in diesem Beitrag.
Inhaltsverzeichnis
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Was ist der Expertenstandard Demenz?
- Wann wurde der Expertenstandard Demenz entwickelt?
- Welche Struktur folgt der Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz?
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Welche 5 Handlungsebenen beschreibt der Expertenstandard Demenz?
- Was ändert sich durch die Aktualisierung 2026?
- Was bedeutet die Aktualisierung für Ihre Einrichtung?
Was ist der Expertenstandard Demenz?
Der Expertenstandard Demenz ist ein Standard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Er geht davon aus, dass Pflegefachkräfte durch eine gelingende Beziehungsgestaltung die Lebensqualität von Menschen mit Demenz positiv beeinflussen können.
→ Gut zu wissen: Der offizielle Name des Expertenstandards lautet „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“. Oft wird er allerdings als Expertenstandard Demenz abgekürzt.
Was ist das Ziel des Expertenstandards?
Mithilfe des Expertenstandards sollen Pflegefachpersonen Folgendes bei Menschen mit Demenz erhalten und fördern:
„das Gefühl, gehört, verstanden und angenommen zu werden sowie mit anderen Personen verbunden zu sein“
Voraussetzung dafür ist, dass alle an der Pflege beteiligten Personen eine personen-zentrierte Haltung einnehmen. Demenz wird also nicht als medizinisches Problem wahrgenommen. Vielmehr geht es darum, den Menschen mit seinem Charakter und seiner Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen.
Wann wurde der Expertenstandard Demenz entwickelt?
Der Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ wurde im Mai 2019 veröffentlicht.
Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelte den Standard in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat.
Im März 2026 hat das DNQP die erste Überarbeitung des Expertenstandards vorgelegt. Die finale Fassung soll im Herbst 2026 erscheinen (Stand Juli 2026).
Was ist ein Expertenstandard? Lesen Sie hier mehr: „Pflegestandards: Definition und Abgrenzung zu Expertenstandards“
Welche Struktur folgt der Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz?
Der Expertenstandard Demenz gliedert sich in 5 Handlungsebenen, die den Pflegeprozess von der Bedarfsermittlung bis zur Evaluation abbilden.
Jede dieser Ebenen unterteilt sich wiederum zusätzlich in 3 Kriterienarten:
- Strukturkriterien
- Prozesskriterien
- Ergebniskriterien
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Welche 5 Handlungsebenen beschreibt der Expertenstandard Demenz?
Ebene 1: Bedarfsermittlung
Pflegefachkräfte nehmen die Betroffenen durch eine personen-zentrierte Haltung in ihrer Einzigartigkeit wahr. Gemeinsam mit anderen Berufsgruppen erfassen sie die mit der Demenz einhergehenden Unterstützungsbedarfe in der Beziehungsgestaltung. Die Pflegedokumentation enthält dabei entsprechende Hinweise.
Ebene 2: Planung der Maßnahmen
Grundlage der Maßnahmenplanung ist die Verstehenshypothese. Dabei handelt es sich um eine begründete Annahme darüber, wie der Mensch mit Demenz sich selbst und seine Umwelt erlebt und welche Funktion sein Verhalten hat.
Auf dieser Basis entwickeln Pflegefachkräfte gemeinsam mit allen an der Pflege beteiligten Personen einen personen-zentrierten Maßnahmenplan. Dies erfolgt idealerweise im Rahmen von Fallbesprechungen.
Ebene 3: Information, Anleitung und Beratung
Pflegeeinrichtungen müssen die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um sowohl Angehörige als auch Menschen mit Demenz individuell informieren, anleiten und beraten zu können.
Ziel ist es, dass alle Beteiligten die Notwendigkeit und Bedeutung beziehungsfördernder und -gestaltender Maßnahmen kennen.
Ebene 4: Durchführung der Maßnahmen
Pflegefachpersonen gewährleisten und koordinieren die Durchführung beziehungsfördernder und -gestaltender Maßnahmen. Dafür müssen sie konkrete Angebote kennen und verstehen, warum Beziehungsgestaltung für Menschen mit Demenz grundsätzlich wichtig ist.
Alle Maßnahmen müssen dokumentiert werden. In der Dokumentation muss begründet sein, warum, welche Maßnahme ausgewählt wurde. Zudem muss beschrieben werden, welche beziehungsfördernde Wirkung die Maßnahme hatte.
Ebene 5: Evaluation
Pflegefachkräfte überprüfen laufend die Wirksamkeit der Maßnahmen. Im Idealfall zeigt der Demenzerkrankte Anzeichen für den Erhalt und die Förderung des Gefühls, dass er gehört, verstanden und angenommen wird.
Zudem müssen die Pflegefachpersonen die Verlaufsbeobachtungen nachvollziehbar dokumentieren.
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Weitere Informationen zu den Standardkriterien des Expertenstandards Demenz und anderen Expertenstandards enthält die Software „Pflege- und Expertenstandards“.
Was ändert sich durch die Aktualisierung 2026?
Grundsätzlich bleibt der Kern des Expertenstandards in der Aktualisierung 2026 unverändert. Die person-zentrierte Haltung und die Handlungsebenen stehen weiterhin im Mittelpunkt.
Gegenüber der Fassung von 2019 sieht der aktualisierte Entwurf von 2026 folgende Änderungen bei den Ebenen vor:
- Ebene 1: Neben Pflegefachpersonen sollen auch andere Berufsgruppen an der Erfassung der Unterstützungsbedarfe mitwirken.
- Ebene 2: Die Verstehenshypothese wird stärker betont als in der ersten Fassung. Sie findet sich nun in Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien wieder.
- Ebene 3: Auf Strukturebene werden nicht mehr nur Angehörige, sondern auch Menschen mit Demenz selbst angesprochen.
- Ebene 4: Die Anforderungen an die Kompetenzen der Pflegefachpersonen werden erweitert. Sie sollen neben Angeboten auch die grundsätzliche Bedeutung der Beziehungsgestaltung verstehen.
- Ebene 5: Diese Ebene bleibt inhaltlich nahezu unverändert. Es gibt nur sprachliche Anpassungen.
→ Die hier beschriebenen Änderungen stammen aus dem Entwurf der ersten Aktualisierung, den das DNQP im März 2026 zur Kommentierung veröffentlicht hat. Die Kommentierungsfrist für die Fachöffentlichkeit endete dabei am 8. Mai 2026. Die finale, verbindliche Fassung wird voraussichtlich im Herbst 2026 erscheinen (Stand Juli 2026).
Was bedeutet die Aktualisierung für Ihre Einrichtung?
Die Aktualisierung 2026 des Expertenstandards Demenz verändert dessen Grundstruktur nicht. Inhaltlich arbeitet die Expertenarbeitsgruppe das Konzept der Beziehungsgestaltung jedoch stärker heraus, vor allem bei der Verstehenshypothese.
Auch wenn die finale Fassung noch nicht erschienen ist, können Sie auf Basis des Entwurfs schon jetzt erste Schritte für Ihre Einrichtung einleiten.
Prüfen Sie zum Beispiel, ob Ihre Pflegefachkräfte bereits über ausreichende Kompetenzen verfügen, um Verstehenshypothesen zu entwickeln. Außerdem kann sich ein Blick auf Ihre Fallbesprechungen lohnen: Finden diese strukturiert statt und werden alle an der Pflege beteiligten Personen einbezogen?
Quellen: „QM-Praxis in der Pflege“; Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege; Pflegenetzwerk Deutschland; Springerpflege;