Drainagebeton: Eigenschaften, Zusammensetzung und Einsatzbereiche

16.04.2026 | S. Horsch – Online-Redaktion, FORUM VERLAG HERKERT GMBH

Drainagebeton: Personen gehen mit Gummistiefeln durch eine überflutete Straße, während ein Auto durch das Wasser fährt. Eine Person trägt einen gelben Regenmantel.
© TO LOVE – stock.adobe.com

Staunässe auf Terrassen, Wasseransammlungen auf Verkehrsflächen oder frostbedingte Schäden an Pflasterbelägen sind häufig auf unzureichende Entwässerungskonzepte zurückzuführen. Für solche Anwendungen steht mit Drainagebeton (auch: Dränbeton oder Drainbeton) ein speziell entwickelter, wasserdurchlässiger Beton zur Verfügung, der Niederschlagswasser kontrolliert durch seine offenporige Struktur ableitet. Dieser Fachbeitrag beschreibt die Eigenschaften, die Zusammensetzung, relevante Regelwerke sowie typische Einsatzbereiche von Drainagebeton.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Drainagebeton?
  2. Baugrundsätze für Aufbau und Dimensionierung von Drainagebeton
    1.1. Kennwerte von Drainagebeton
  3. Baustoffe und Baustoffgemische
  4. Verarbeitung und Einbau von Drainagebeton
  5. Fazit

Was ist wasserdurchlässiger Beton (Drainagebeton)?

Drainagebeton ist ein haufwerksporiger, wasserdurchlässiger Beton, dessen Gefüge gezielt so ausgebildet wird, dass untereinander verbundene Hohlräume entstehen. Diese Hohlräume ermöglichen das Versickern und Ableiten von Wasser innerhalb der Betonstruktur.

Wie funktioniert wasserdurchlässiger Beton?

Im Unterschied zu normalem Beton enthält Drainagebeton keine oder nur sehr geringe Anteile feiner Gesteinskörnungen. Er wird überwiegend aus grob abgestufter, güteüberwachter Gesteinskörnung und Zement hergestellt. Der Zementleim umhüllt die einzelnen Körner lediglich dünn und verbindet sie punktförmig miteinander, ohne die Zwischenräume vollständig zu verschließen. Aufgrund dieser Kornzusammensetzung wird Drainagebeton häufig als Einkornbeton bezeichnet.

Die Entwässerung erfolgt also nicht über zusätzliche Leitungen oder Kanäle, sondern unmittelbar durch den Betonkörper selbst.

Baugrundsätze für Aufbau und Dimensionierung von Drainagebeton

Versickerungsfähige Verkehrsflächenbefestigungen aus Dränbeton werden in der Regel in einschichtiger und einlagiger Bauweise aus einem haufwerksporigen Beton mit und ohne Polymerzusatz (PM) und Polymerfasern hergestellt.

Dränbeton eignet sich sowohl als Tragschicht (DBT) als auch als Decke beziehungsweise Fahrbahnbelag (DBD) im Verkehrswegebau. Der Einbau erfolgt zum Beispiel auf wasserdurchlässigen Kies und Schottertragschichten oder auf einer Dränbetontragschicht.

Je nach Belastung und Einbaudicke kann die Bauweise bei Straßen, Wegen und sonstigen Verkehrsflächen in den RStO-Belastungsklassen Bk0,3 bis Bk1,8 angewendet werden.

Die Mindestdicke einer Dränbetonschicht muss aus bautechnischen Gründen 10 cm betragen. Im Merkblatt für Versickerungsfähige Verkehrsflächen (M VV) sind in der Tabelle 5 und -A 3 die Aufbauten und Schichtdicken der verschiedenen Bauweisen in den Belastungsklassen Bk0,3 bis Bk1,8 sowie sonstigen Verkehrsflächen (zum Beispiel Rad- und Gehwege, Hof-, Park- und Abstellflächen) dargestellt.

Der hohe Hohlraumgehalt von 15 Vol.-Prozent bewirkt eine hohe Wasserdurchlässigkeit (kf -Wert) und somit eine effektive Entsiegelung von Verkehrsflächen. Folgende Eigenschaften spielen bei der Verwendung von Dränbeton für versickerungsfähige Verkehrsflächenbefestigungen eine wichtige Rolle:

Eigenschaften von Drainagebeton

Bei sachgerechter Planung, Zusammensetzung und Ausführung weist Drainagebeton folgende Eigenschaften auf:

  • Dauerhaftigkeit
  • Wasserdurchlässigkeit
  • hoher Frostwiderstand

Bei direkt befahrenen Verkehrsflächen (DBD) werden darüber hinaus auch noch die

  • Griffigkeit und
  • Ebenheit sowie
  • ein hoher Frost-Taumittel-Widerstand

als wichtiges Kriterium gefordert.

Kennwerte von Drainagebeton

Die technischen Eigenschaften von Drainagebeton hängen maßgeblich vom Verwendungszweck, der Schichtdicke und der Mischungszusammensetzung ab. Für Dränbetontragschichten (DBT) und vergleichbare Anwendungen gelten insbesondere folgende Kenngrößen:

  • Hohlraumgehalt:
    Für Dränbetontragschichten wird nach einschlägigen Regelwerken ein von außen zugänglicher Hohlraumgehalt von mindestens 15 Vol.-% gefordert.
  • Wasserdurchlässigkeit (kf-Wert):
    Nach dem FGSV-Merkblatt für Dränbetontragschichten (M DBT) wird für DBT ein kf-Wert von ≥ 1 · 10⁻³ m/s gefordert (stark durchlässig). Für DBT unter Pflasterflächen sowie für Dränbetondeckschichten gilt der reduzierte Mindestwert von kf ≥ 5 · 10⁻⁵ m/s (durchlässig) als ausreichend.
  • Druckfestigkeit:
    Drainagebeton erreicht üblicherweise Druckfestigkeiten im Bereich von etwa 10 bis 30 MPa.
    Höhere Festigkeitsklassen bis C30/37 sind technisch möglich, stellen jedoch keinen Regelfall dar und erfordern speziell angepasste Rezepturen, häufig unter Einsatz polymermodifizierter Bindemittel oder Zusatzmittel.
  • Trockenrohdichte:
    Typischerweise ca. 1.800 bis 2.000 kg/m³, abhängig von Körnung und Hohlraumanteil.
  • Korngrößenbereiche:
    Üblich sind Gesteinskörnungen im Bereich von 4–22 mm, häufig 8–22 mm, abhängig vom Anwendungsfall.

Ein zentrales Planungsprinzip besteht darin, den Zielkonflikt zwischen Tragfähigkeit und Wasserdurchlässigkeit zu berücksichtigen: Eine Erhöhung des Feinanteils oder des Zementgehalts steigert zwar die Festigkeit, führt jedoch zu einer Reduzierung des Hohlraumanteils und damit der Durchlässigkeit. Die Zusammensetzung ist daher stets anwendungsbezogen zu optimieren.

Baustoffe und Baustoffgemische

Dränbeton ist ein haufwerksporiger, hohlraumreicher Beton für die Entwässerung von Verkehrsflächen im Verkehrswegebau. Eine hohe Wasserdurchlässigkeit wird mit einem haufwerksporigen Betongefüge, das einen von außen zugänglichen Hohlraumgehalt von 15 Vol. -Prozent aufweist, erreicht. Dafür ist eine Kornzusammensetzung mit einer unstetigen Sieblinie – eine sog. Ausfallkörnung – vorteilhaft.

In der Praxis hat sich die ausschließliche Verwendung von einer oder von zwei eng begrenzten Korngruppen, zum Beispiel 5/8, 8/11, 5/11, 8/16 mm (Splitt) oder 8/16, 8/32 mm (Rundkorn) bewährt.

Bei der Konzeption und Herstellung des Dränbetons ist es wichtig, dass die Einzelkörner bei größter Lagerungsdichte nach der Verdichtung nur an den Kontaktstellen durch eine dünne Zementleim- bzw. Mörtelschicht dauerhaft miteinander verbunden werden. Dadurch können im erhärteten Dränbeton größere, untereinander verbundene und von außen zugängliche Haufwerksporen für einen hohen, definierten Hohlraumgehalt hergestellt werden, die im Verkehrswegebau für die Ableitung des Niederschlagswassers sorgen.

Bei Schichtdicken > 20 cm kann es je nach Anwendung und Einbauverfahren sinnvoll sein, mehrere benachbarte Korngruppen wie 5/8, 8/11 und 11/16 mm zu verwenden. Bei direkt befahrenen Dränbetondecken (DBD) kann aufgrund der offenporigen Matrix der Dränbetonschicht, neben der hohen Wasserdurchlässigkeit, auch die hohe Schallabsorption bzw. Lärmminderung der Decke als zusätzlicher, umweltfreundlicher Beitrag der DBD-Bauweise genutzt werden.

Die nach dem M VV für den Dränbeton geforderten Mindestfestigkeiten (Druck-, Biegezug-, Spaltzugfestigkeit) im Alter von 28 Tagen basieren auf einem von außen zugänglichen Hohlraumgehalt von 15 Vol. -Prozent und einer Wasserdurchlässigkeit von k f 5x10 -5 m/s.

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Baustoffe Anforderungen
Zement Nach TL Beton-StB, Tabelle 1
Gesteinskörnungen Nach TL Beton-StB, Anhang A Größtkorn max. 32 mm Unstetige Sieblinie (Ausfallkörnung) im Bereich 2/ 4 oder 2/ 8 mit möglichst geringem Sandanteil erforderlich Gebrochene Gesteinskörnungen für Körnungen > 8 mm günstig Erhöhte Anforderungen an den Widerstand gegen Frost (Kategorie F 2) sowie an die Kornform (Kategorie SI 2o/ FI 20) sind einzuhalten
Betonzusatzmittel/Betonzusatzstoffe Nach TL Beton-StB Verbesserung der Frisch- und Festbetoneigenschaften durch Zusatzmittel (FM, BV, VZ, ST) und Zusatzstoffe (PM, Fasern) Polymere nur mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ). Bei der Zugabe von Polymeren mindestens 60 s Mischzeit erforderlich
Zugabe-Wasser Nach TL Beton-StB Kein Restwasser für Herstellung von polymermodifiziertem Beton
Anforderungen an die Baustoffe für DBTund DBD nach den Merkblättern M DBT und M VV (Quelle: Riffel)

Verarbeitung und Einbau von Drainagebeton

Für die Funktionsfähigkeit von Drainagebeton sind eine fachgerechte Ausführung und geeignete Randbedingungen entscheidend:

  1. Untergrund
    Der Baugrund bzw. die Unterlage muss ausreichend tragfähig und eben sein.
  2. Schichtdicke
    Die erforderliche Einbaudicke ergibt sich aus der geplanten Beanspruchung und dem Anwendungszweck.
  3. Mischung und Wassergehalt
    Der Wassergehalt ist exakt zu dosieren, um die offene Porenstruktur zu erhalten.
  4. Einbau und Verdichtung
    Drainagebeton wird schonend eingebracht und nur leicht verdichtet, um ein Kollabieren der Hohlräume zu vermeiden.
  5. Nachbehandlung
    Schutz vor zu schnellem Austrocknen unterstützt die Festigkeitsentwicklung und Dauerhaftigkeit.

Für kleinere Projekte stehen werksgemischte, güteüberwachte Fertigprodukte zur Verfügung, die eine gleichbleibende Qualität sicherstellen.

Abgrenzung: Drainagebeton und Drainagemörtel

Drainagemörtel und Drainagebeton erfüllen ähnliche entwässerungstechnische Aufgaben, unterscheiden sich jedoch in der Körnung:

  • Drainagemörtel: Gesteinskörnungen bis maximal 4 mm
  • Drainagebeton: Gesteinskörnungen oberhalb von 4 mm

Drainagemörtel werden überwiegend für dünnere Bettungsschichten unter kleinformatigen Belägen verwendet, während Drainagebeton aufgrund seiner gröberen Körnung höhere Tragfähigkeiten und größere Schichtdicken ermöglicht.

Fazit

Drainagebeton ist ein technisch bewährter, wasserdurchlässiger Beton für Anwendungen, bei denen Entwässerungsfähigkeit mit mechanischer Belastbarkeit kombiniert werden muss. Seine Verwendung erfordert einen anwendungsbezogenen Mischungsentwurf, die Beachtung der einschlägigen Normen und Regelwerke sowie eine fachgerechte Verarbeitung.

Richtig geplant und ausgeführt kann Drainagebeton einen wichtigen Beitrag zur Dauerhaftigkeit von Flächenbefestigungen leisten – sowohl im Garten‑ und Landschaftsbau als auch im Verkehrswegebau und als Bestandteil normgerechter Dränschichten.

Quellen: „Planungshandbuch Straßen- und Wegebau“; 

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